11/20/2012

und aus immer wird häufig und aus häufig wird selten

liebe V,
ich vermisse dich
ich würde gerne sagen, ich hätte oft an dich gedacht, aber leider tat ich das viel zu wenig.
natürlich erinnere ich mich an die beste zeit meines lebens, in der wir uns jeden tag gesehen haben, weil wir im gleichen ort wohnten und wie viel spaß wir immer hatten. eine beste freundin vergisst man nicht schnell, man vergisst sie eigentlich nie und vor allem dann nicht, wenn du mit ihr deine wunderschöne kinderheit verbracht hast. danke dafür.
doch irgendwann kam dann die trennung meiner eltern und somit auch der umzug. aber das war nicht der grund dafür, wieso ich jetzt hier alleine sitze und dir diesen text widme.
ich wohnte nicht weit weg von dir und natürlich haben wir uns noch getroffen, so oft, wie es eben nur ging. doch irgendwann wurde es immer weniger. und ich erinnere mich noch ganz genau, wie eine freundin von dir mir eine nachricht schrieb, in der sie fragt, ob ich wüsste, wieso du in die klinik musst.
ich habe überhaupt nichts mehr verstanden und habe mir dann erklären lassen, dass all deine freundinnen nur wissen, dass du in eine klinik musst, aber niemand weiß wieso. wenn ich so daran zurückdenke, frage ich mich, wieso ich so gar nichts davon wusste, wo ich doch eigentlich deine beste freundin war.
aber vielleicht wusstest du einfach, dass ich das noch nicht verstehen könnte. ich war zwar nur ein jahr jünger als du, aber das machte schon viel aus.
ich erfuhr von deiner mutter, dass du borderline hast, aber ich konnte nichts damit anfangen. ein letztes mal hast du ein wochenende bei mir verbracht, vermutlich gezwungener maßen, denn du sahst nicht sehr glücklich aus und hast keinen einzigen vorschlag von mir angenommen.
danach haben wir nur noch einmal geschrieben. in dem gespräch hast du mir mitgeteilt, dass du rauchst und ich konnte das gar nicht fassen, dass man in so jungen jahren schon anfängt zu rauchen.
mittlerweile bin ich selber mit 14 angefangen, aber damals konnte ich es mir einfach nicht vorstellen. danach habe ich dich nicht mehr gesehen und auch nichts mehr von dir gehört. meine mama hat mir erklärt, was borderline genau ist, aber ich habe das alles schnell wieder ausgeblendet.
nichts habe ich mehr von dir gehört. noch heute kommt meine mutter manchmal an und fragt, ob wir noch kontakt haben und ich versuche ihr immer wieder zu erklären, dass man sich nunmal manchmal auseinander lebt, aber sie will es nicht verstehen und ehrlich gesagt, verstehe ich es auch nicht.
heute sehe ich, was aus dir geworden ist, ich sehe deinen arm voller narben auf einem bild, auf dem du mit deiner freundin herzlich am lachen bist. zwei tattoos schmücken deine arme und deine haare sind jetzt blond gefärbt.
ich weiß nicht, ob ich mir wünschen sollte, dass alles wieder so wär wie früher, denn vielleicht hat das alles einen grund und es ist ok so, wie es ist.
ich hoffe einfach nur, dass es dir gut geht und vielleicht denkst du ja auch mal an unsere schöne zeit zu zweit zurück.

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