Und plötzlich schießt mir das Blut in den Kopf, mir wird heiß und in meinem Hals bildet sich ein riesiger Kloß. Es fühlt sich an, wie ersticken und ich versuche mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal so ein Gefühl ertragen musste. Doch bevor ich länger überlegen kann, schießen mir die Tränen aus den Augen. Ich wische sie noch einmal weg und halte die Luft an, bis ich draußen angelangt bin. Ich atme die kalte Luft ein und schon fließen wieder ganze Bäche aus meinen Augen. Ich laufe in den Wald, halte mir die Hand vor das Gesicht. Wann habe ich das letzte Mal in der Öffentlichkeit geweint? Noch nie, noch nie. Doch beruhigen kann ich mich jetzt nicht mehr. Mir wird schlecht und schwindelig, ich finde eine Bank und lasse mich sofort nieder, das Gesicht in den Händen vergraben. Immer wieder denke ich an die wenigen Worte, die das hier ausgelöst haben und mir wird klar, dass ich nicht traurig, sondern wütend bin. Jedoch kann auch diese Erkenntnis meine Tränen nicht davon abhalten, sich in laute Schluchzer zu verwandeln. Mittlerweile mache ich mir keine Gedanken mehr, ob mich vielleicht Jemand finden könnte. Vielleicht wäre ich sogar froh, und einen Moment lang denke ich darüber nach, ob ich meine beste Freundin anrufen soll. Doch diese Überlegung verwerfe ich schnell, denn, wie schon gesagt, hatte ich es immer vermieden vor irgendwelchen anderen Menschen zu weinen, sogar vor meiner Familie oder meinen Freunden. Keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, aber irgendwann habe ich mich stark genug gefühlt, wieder nach Hause zu gehen. Was für eine Fehlentscheidung. Meine Mutter rief mich in die Küche und das erste, was aus ihrem Mund kam, war: "Hast du geweint?"
Ich konnte nichts sagen, aber es war offensichtlich und schon wieder brach es aus mir heraus. Ich hörte meine Mutter schlucken, als sie mich fest im Arm hielt. Sie musste jetzt stark sein, für mich. Ich hab mit aller Macht versucht endlich aufzuhören, ich wollte ihr nicht mein Leid aufdrücken. Ich habe mich noch nie in meinem Leben so schwach gefühlt, wie in diesem Moment. Seit ich mich erinnern kann, habe ich nie so vor meiner Mutter gestanden. Ich habe mich den ganzen Tag noch nicht beruhigt. Bei dem bloßen Gedanken daran, schießen mir wieder die Tränen in die Augen. Ich versteh mich selbst nicht mehr.
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